Archiv
Netzwerk Kirchenmusik
in Sachsen
Historie
Protokoll vom 22.10.2010
Pressemitteilung 20.09.2010
Bericht vom Kirchenmusikertag
Resolution Arbeitszeitkalkulation
Umfrage Auslastung
Kammerordnung - Entwurf
Eine Kammer für Kirchenmusik?
Kirchenmusikertag 2010
Presseartikel Die Einzelkämpfer
AG 1: Kammer für Kirchenmusik
AG 2: Wo drückt der Schuh
AG 3: Kommunikation
Bericht vom Kirchenmusikertag

Bericht von der Vorstellung des „Netzwerk Kirchenmusik“
auf dem
3. Sächsischen Kirchenmusikertag in Dresden
am 18. September 2010 im Mauersbergersaal / Haus an der Kreuzkirche

von Anne-Doreen Reinhold


Über 120 sächsische Kirchenmusikerinnen und Kirchenmusiker haben sich im Saal eingefunden,
nach der Mittagspause stellt sich das „Netzwerk Kirchenmusik“ vor,
bekommt Gesicht(er) für alle diejenigen, die mit den Namen auf der Homepage noch nichts anzufangen wussten.

13.00 Uhr eröffnet LKMD Leidenberger die Runde, bedankt sich schon einmal für das Kommende. Martina Hergt übernimmt die Moderation „Ein Jahr danach – das Netzwerk lebt“.
Alle, die in irgendeiner Gruppe innerhalb des Netzwerkes aktiv mitgearbeitet haben, sollen sich erheben – es sind über 30 Leute. Selbst die Netzwerker haben sich so noch nie gesehen, man war ja nur in Arbeitsgruppen zusammen, nie in der Gesamtheit. Ein guter Anfang.

Die Steuergruppe kommt nach vorn, jeder stellt sich und seine Motivation vor: „Warum hast Du Dir das angetan?“ Unterschiedlich die Antworten: Das Erleben, dass viele KirchenmusikerInnen gemeinsam nachdenken, sich um ihre Interessen kümmern. Man möchte Veränderungen selbst vordenken, nicht nur davon sprechen, das Heute und Morgen nicht erleiden, sondern selbst mit  gestalten. Es war Neugier dabei: Was kann entstehen, wenn man sich ein gemeinsames Gesicht gibt? Oder der Wunsch, das Einzelkämpfertum aufzubrechen. Gemeinsam durchweg der Kontext erkennbar: Zukunftsaussichten für Kirchenmusiker konstruktiv zu entwickeln – das hat die Netzwerker zusammen gebracht, das hat Mut gemacht. Man möchte als Kirchenmusiker eine Stimme haben, die gehört wird.

Die Netzwerk-Steuergruppe startete im Oktober 2009 im Nachgang der Podiumsdiskussion auf der Festwoche der Hochschule für Kirchenmusik. Drei Arbeitsgruppen haben sich im Januar 2010 auf dem Netzwerktreffen in Chemnitz/Hilbersdorf gebildet.

„Wo drückt der Schuh?“ Anne-Doreen Reinhold beschreibt die Arbeit der Arbeitsgruppe, die sich mit inhaltlichen Fragen beschäftigt hat. Wo drückt es Kirchenmusiker? Was sind wiederkehrende Problemfelder der Berufsgruppe? Die Essenz: Es drückt viel, man musste erst einmal ordnen, einen Überblick bekommen. Die meisten Themen könnte man nur nennen, sammeln – und diese Sammlung ist auch noch unvollständig. Auf dem Kirchenmusikertag sind Profis unter Profis, da könnte jeder noch ergänzen, sein eigenes Lied singen – aber was ist vordringlich, was drückt am stärksten?

Es sind die Probleme, die sich unter den Themenüberschriften „Strukturentwicklung“, „Verhältnis zum Arbeitgeber“ und „Arbeitszeit/Entlohnung“ zusammenfassen lassen. Allein zum Thema „Strukturentwicklung“ haben die Netzwerker zwanzig Punkte, Ansätze und Ideen zusammengetragen,  man hat sehr unterschiedliche Möglichkeiten in der Gruppe gefunden. Das Thema muss noch weiter bearbeitet werden, nur ein Anfang ist gemacht. Drei Punkte wurden noch einmal herausgefiltert, sind in der Gruppe als vorrangig ermittelt worden. Man sieht Chancen, diese Punkte umzusetzen:

1. Vorhandene Organisationsformen  besser nutzen (Verbände, MAV, KMD-Struktur,...),
    gründlich überprüfen, bei Bedarf verändern;
2. Zukunftsvision (Gemeindestruktur, Berufsbildentwicklung) in der Landeskirche entwickeln;
3. Begleitung und Beratung der Gemeinden bei Veränderungsprozessen.

Der Blick auf das Thema „Verhältnis zum Arbeitgeber“ ergab: Viele Punkte lassen sich durch schon  Strukturveränderungen und Neuregelungen erreichen, schlagen durch. Veränderungen in der Kultur und gegenseitige Wertschätzung lassen sich dadurch leider nicht regeln, deshalb hat man den Thementeil erst einmal zur Seite gelegt.

Beim Thema „Arbeitszeit/Entlohnung“ kann man ganz konkret werden.
Reinhard John präsentiert die Auswertung der Umfrage „Können Sie mit der Arbeitszeitkalkulation der Auslastungsverordnung Ihre Arbeit gut schaffen?“.
78 KirchenmusikerInnen haben sich beteiligt, 32 % der Befragten haben mit „Ja – immer“ oder „meistens“ geantwortet. 68% mit „Nein – selten“ oder „nie“. Das bestätigt sehr eindeutig die Vermutung der AG, es ist etwas faul im sächsischen Lande und - das hat sich nicht nur eine kleine Gruppe Motivierter erdacht, sondern ist für eine repräsentative Gruppe der sächsischen Kirchenmusikerschaft Alltag!
Die genauen Ergebnisse der Umfrage finden Sie hier

Die Netzwerker haben eine Resolution vorbereitet, in der die Teilnehmer des Kirchenmusikertages den Konvent der Kirchenmusikdirektoren bitten, alternative Arbeitszeitmodelle zu prüfen und tragfähige Lösungen zu entwickeln.

Auf konkrete Bitte zu einer kurzen Stellungnahme an LKMD Leidenberger und VEKM-Vorsitzenden Petzl antworten beide mit zustimmenden Sätzen. KMD Petri (Chemnitz) unterstützt spontan den Vorschlag ebenfalls.

Nach kurzem Austausch in kleinen Gesprächsgruppen und einer Abstimmung mit Handzeichen autorisiert die Kirchenmusikerschaft diese Resolution: 104 KirchenmusikerInnen stimmen für die Absendung.

Stefan Gehrt und Samuel Dobernecker haben bei der Vorstellung der Arbeitsergebnisse der AG „Kammer“ in sehr amüsant-klarem Dialog die Notwendigkeit einer „Kammer für Kirchenmusik“ in Sachsen begründet. (hier der Dialog in genauem Wortlaut) Konkret standen die Fragen im Raum:
Warum eine Kammer?
Was soll sie tun?
Wie könnte sie sich zusammensetzen?
Wie kann sie auf den Weg gebracht werden?

Ein Entwurf für eine Kammerordnung ist entstanden, viele Gespräche mit kompetenten Leuten haben  Ideen geliefert, korrigiert. Die Erfahrungen aus der Kammer für Kirchenmusik der EKM (Ev. Kirche Mitteldeutschlands) und der EKBO (Ev. Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz) wurden eingearbeitet. In den letzten Wochen wurden den Mitgliedern der Konferenz für Kirchenmusik (LKMD, Kirchenchorwerk, Posaunenmission, VEKM, Hochschule für Kirchenmusik, Jugendmusik) die Arbeitsergebnisse vorgestellt, es gab weitere Hinweise und wertvolle Anmerkungen. 

Der Bitte um Statements besonders aus letztgenanntem Kreis war entsprochen worden. LKMD Leidenberger, Jens Staude (Kirchenchorwerk) und Jens Petzl (VEKM) äußern sich direkt dazu. Wer selbst dienstlich verhindert war, hatte dafür gesorgt, dass das entsprechende Statement verlesen werden konnte oder seine Einschätzung telefonisch im Vorfeld weitergegeben (Wolfgang Tost - Jugendmusik, Prof. Dr. Christfried Brödel – Hochschule für Kirchenmusik). Die Konferenzmitglieder unterstützen eine Kammer für Sachsen. Einzig Christoph Kunze (SPM) äußerte sich zurückhaltend bis skeptisch: Erwartet nicht zu viel von geänderten Strukturen; entscheidend ist das Engagement der Menschen!

Die Kammer als Kompetenzzentrum der Kirchenmusik, als zusammenführende, verknüpfende Einrichtung innerhalb Sachsens rückt in den Fokus der Kirchenmusikerschaft.

Die anwesenden KirchenmusikerInnen werden gebeten, zuerst per Handzeichen, dann auch mit Ihrer Unterschrift ein Votum zur Schaffung einer Kammer für Kirchenmusik als Eingabe in die Synode zu unterstützen. Die Synode soll gebeten werden, den anliegenden Entwurf zu diskutieren und sodann das LKA zu beauftragen, eine entsprechende Gesetzesvorlage zu erarbeiten und auf den Weg zu bringen.

118 KirchenmusikerInnen unterschreiben auf den Listen.
Das Anliegen und der Entwurf der Kammerordnung können auf den Weg durch die Instanzen gehen.

Mehrere Male gibt es die Möglichkeit Rückfragen zu stellen, Unverständliches zu klären. Es gibt keine Fragen. Liegt es daran, dass die Arbeit der dritten AG „Kommunikation“ über den gesamten Netzwerk-Zeitraum schon gut zu verfolgen war? Man dadurch gut informiert auf den Kirchenmusikertag kommen konnte?

Die AG „Kommunikation“ hatte viel dazu gearbeitet. Ein Website ist entstanden, Carmen Wutzler als Webmaster hat sie ansprechend gestaltet. Die Netzwerkarbeit konnte begleitet werden, die Arbeitsgruppen präsentierten sich. Für die Zukunft kann man auf der Website miteinander ins Gespräch kommen, eine Praxisgalerie lädt zum Ideen-Austausch ein: Wo sind Konzepte & Ideen, bei denen Kirchenmusiker von den Erfahrungen anderer Kollegen profitieren können? Vernetzung und Informationsaustausch statt Einzelkämpferdasein!

Links zu allen kirchenmusikalischen Werken wurden gesetzt, eine Vorschriftensammlung für Kirchenmusiker ist entstanden und einsehbar. Angeregt wurde die Nutzung der Chordatenbank des Kirchenchorwerkes als „Kantorenverzeichnis“. Viele weitere interessante Themen sind hier zu finden: www.netzwerk-kirchenmusik.de

Die Vorschriftensammlung selbst kann man als Print-Medium am Ausgang zum Selbstkostenpreis mitnehmen (oder hier bestellen). 

Der Schluss“akkord“ der Steuergruppe gibt Ausblick. Es soll weitergehen, die bisherigen Akteure haben viel Zeit investiert, auch Kräfte gelassen. Die Möglichkeiten sind vielfältig, jeder wird andere Schwerpunkte setzen: sich zur  VEKM-Vorstandswahl zur Verfügung stellen, Ansprechpartner sein und Inhalte transparent machen für den KMD-Konvent oder andere Gremien, die entscheiden werden. Oder als Synodaler die Anliegen verfolgen, neue Netzwerker motivieren. Mancher muss sich aber auch zurückziehen, ausruhen – man kann nicht durcharbeiten.

Etwas ist unter der sächsischen Kirchenmusikerschaft in Bewegung gekommen, das war heute hier zu spüren.
Es braucht weitere Netzwerker, die sich einbringen, mitdenken und unterstützen.

Die Nachlese am 22. Oktober 2010, 9.30-11.30 Uhr im Gemeindehaus der Trinitatisgemeinde, Fiedlerstraße 2 in Dresden soll Ergebnisse des Kirchenmusikertages auswerten, überlegen, wie man an den Themen der AGs dranbleiben kann.

2011 soll es vom 5.-7. September die 1. Sächsische Kirchenmusikertagung in Colditz geben. Dazu wird von LKMD Leidenberger eingeladen. Hoffentlich ein weiteres Treffen der Berufsgruppe, auf dem man feststellen kann, dass sich etwas weiter-bewegt hat. Dass man mittlerweile eine Stimme hat, die gehört wird und dass KirchenmusikerInnen mutig genug sind, aus Problemen Lösungen zu entwickeln. Lösungen, die auch außerhalb der Musikerschaft Unterstützer und Förderer finden. Lösungen, die auch nach der nächsten Strukturreform ab 2014 eine wachsende kirchenmusikalische Arbeit in der sächsischen Landeskirche möglich machen.



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